
Jede Lehrkraft kennt diesen Moment: Es ist Sonntagabend, der Montagmorgen rückt näher – und der Vokabeltest für die erste Stunde ist immer noch nicht fertig. Seiten aus dem Lehrbuch müssen abgetippt, Lücken eingebaut, Zuordnungen überlegt und am Ende auch noch eine Musterlösung erstellt werden. Schnell sind zwei Stunden weg, und das Ergebnis ist im Grunde das, was man letzte Woche schon gemacht hat – nur mit anderen Wörtern.
Genau an diesem Punkt setzt vocabuly an. Die App, entwickelt von den Gründern Fred Hüttenrauch und Jens Bäuerle, nutzt Künstliche Intelligenz, um Vokabeltests in verschiedenen Sprachen in wenigen Minuten zu erstellen. Das Versprechen ist so simpel wie radikal: Lehrkräfte sollen wieder Zeit für das bekommen, was sie eigentlich tun wollen – unterrichten.
Vom Foto zum fertigen Test
Das Herzstück von vocabuly ist ein Workflow, der bewusst niedrigschwellig gestaltet wurde. Der Einstieg passiert nämlich dort, wo Unterrichtsvorbereitung ohnehin stattfindet: beim aufgeschlagenen Schulbuch auf dem Schreibtisch – oder, ebenso häufig, direkt am Computer.
Wer das analoge Schulbuch vor sich hat, macht einfach mit dem Handy ein Foto der Vokabelseite und lädt es in vocabuly hoch. Wer lieber am Rechner arbeitet, muss nicht erst zum Smartphone greifen: Ein Screenshot des digitalen Schulbuchs funktioniert genauso gut, und auch jedes beliebige Bild, das bereits auf dem Computer liegt, lässt sich direkt verwenden. Egal ob Kamerabild, Screenshot oder Datei – die KI übernimmt von dort alles Weitere. Sie erkennt die Wörter zuverlässig, extrahiert sie und macht sie im nächsten Schritt weiterverarbeitbar. Kein manuelles Abtippen, keine Copy-Paste-Orgie, keine Formatierungsprobleme.

Der Test-Editor: Individuell statt von der Stange
Nach der Extraktion landet die Lehrkraft im eigentlichen Kernstück der App: dem Editor. Hier wird der Test zusammengestellt – und zwar nicht nach einem starren Schema, sondern individuell. Je nach Klassenstufe, Lernstand und Schwerpunkt lassen sich verschiedene Aufgabentypen miteinander kombinieren.
Aktuell stehen fünf Aufgabentypen zur Verfügung, die das klassische Vokabeltest-Repertoire gut abdecken:

- Der Lückentext ist der Klassiker schlechthin – Sätze mit gezielt ausgelassenen Wörtern, die Schülerinnen und Schüler aus dem Kontext heraus ergänzen müssen.
- Die Zuordnungsaufgabe trainiert das schnelle Wiedererkennen, indem Begriffe und ihre Übersetzungen oder Definitionen richtig verbunden werden müssen.
- Mit der Bildbeschreibung kommt eine anschauliche Komponente ins Spiel, die besonders im Anfangsunterricht für Abwechslung sorgt.
- Die Dialogaufgabe prüft Vokabular im kommunikativen Zusammenhang und ist damit näher an echter Sprachverwendung als reine Wortgleichungen.
- Und schließlich sind da noch die unregelmäßigen Verben – für viele Lernende eine echte Hürde, die durch regelmäßiges, strukturiertes Abfragen deutlich kleiner wird.
Sollte einmal ein Aufgabentyp fehlen, den die Lehrkraft braucht, gibt es eine schöne Lösung: Man kann den gewünschten Typ direkt in der App beantragen. vocabuly entwickelt sich also mit den Bedürfnissen seiner Nutzerinnen und Nutzer weiter, statt ihnen ein starres Produkt vor die Nase zu setzen.
PDF und Musterlösung – fertig zum Austeilen
Wenn der Test im Editor steht, folgt der befriedigendste Moment: ein Klick, und vocabuly liefert das fertige PDF. Direkt druckbar, sauber formatiert, bereit für den Kopierer im Lehrerzimmer.

Und weil zu einem guten Test auch die Korrektur gehört, gibt es die passende Musterlösung automatisch dazu. Das spart nicht nur beim Erstellen Zeit, sondern auch bei der anschließenden Auswertung – und reduziert Flüchtigkeitsfehler, die passieren, wenn man die Lösung im Kopf hat und nicht mehr schwarz auf weiß nachschlägt.
Warum das Timing stimmt
Der Einsatz von KI in der Bildung ist derzeit Dauerthema – oft aufgeladen mit großen Versprechungen und noch größeren Sorgen. vocabuly geht einen angenehm pragmatischen Weg. Die App ersetzt nicht die pädagogische Arbeit der Lehrkraft, sondern nimmt ihr genau die Aufgaben ab, die wiederkehrend, zeitintensiv und wenig wertschöpfend sind. Die didaktischen Entscheidungen – welche Vokabeln geprüft werden, welche Aufgabentypen zur Klasse passen, wie streng bewertet wird – bleiben dort, wo sie hingehören: bei der Lehrkraft.
Fred Hüttenrauch und Jens Bäuerle haben mit vocabuly ein Werkzeug gebaut, das im Schulalltag tatsächlich funktioniert. Kein aufgeblasenes Feature-Set, keine Lernvideos, keine Gamification-Overdose – sondern ein klarer Workflow vom Schulbuchfoto oder Screenshot zum fertigen Test. Und genau diese Fokussierung macht den Unterschied.
Fazit
vocabuly löst ein reales Problem vieler Sprachlehrkräfte auf elegante Weise: Aus einem Foto, Screenshot oder Bild vom Rechner wird in wenigen Minuten ein individueller Vokabeltest samt Musterlösung. Die fünf Aufgabentypen decken die wichtigsten Szenarien ab, und dank der Möglichkeit, neue Typen zu beantragen, bleibt die App offen für die Praxis.
Wer als Lehrkraft seine Sonntagabende zurückhaben möchte, sollte sich vocabuly genauer ansehen. Die Zeit, die man beim ersten Test spart, dürfte bereits reichen, um überzeugt zu sein.